Montag, 27. Juni 2011

Weit weg, wo die Sonne scheint - Costa Rica, here I come

Die Liebe treibt um Sonne und Sterne.
Bei mir läuft seit April 2011 permanent Calle 13, Orishas oder Manu Chao im Hintergrund. Bei allem was ich tue. Obi ch nun zur Uni fahre, wenn ich koche, wenn ich mit Freunden telefoniere, wenn ich einfach nur da sitze und ich Erinnerungen an eine losgelöste Zeit denke.


Leben ist endlich. Lebe endlich!
Das dachte ich mir auch, als ich im Oktober in meiner Küche saß, an meinem Weißwein nippte und mich fragte, was ich eigentlich wolle. Als ich das Gefühl hatte, dass mir die Welt über dem Kopf zusammenbricht.
An dem Abend beschloss ich frotzugehen.
Nach mehr als 1 Jahr hatte ich mich wieder richtig verliebt und war wieder enttäuscht worden. Wie können Menschen nur so sein?

Doch wo sollte es hingehen? Indien? Afrika oder doch Südamerika?
Ich überlegte hin und her. Costa Rica, Goa, Guatemala... Und damals war es so, dass mir plötzlich überall "Costa Rica" begegnete. In Gesprächen am Set, es begenete mir in Berichten im Fernsehn und irgendwann dachte ich mir, okay, Costa Rica.

Am 07.01 ging es los. Ich war wahnsinn
ig aufgeregt! Mit meinem riesigen Back-Packer-Rucksack und in Chucks (klar!) schlidderte ich über die Eisplatten auf den Berliner Straßen. Meine Schwester lachte mich aus, denn außer einem großen Rucksack und Beinen sah man gar nichts. Es war 5Uhr morgens. Mein Flug würde um ca. 7Uhr starten. In ein vollkommen neues Leben, weit weg von dem Schnee Berlins und der Kälte in Deutschland.
Meine Eltern brachten mich zum Flughafen, so wie damals, als ich mit meiner Klasse einen Ausflug machte. Nur, dass dieses kleine Mädchen von damals, das Abi schon längst hinter sich hatte, ihre Ausbildung ein halbes Jahr zuvor abgeschlossen und sogar nun einen Job hatte.
Sie winkten mir zu, bis ich durch das Gate ging.
Ich setzte mich an meinen Eingang zu meinem Flug. Die Aufregung wuchs in mir. 12 Stunden, alleine nur die Flüge. Was würde mich wohl erwarten? Wem würde ich wohl begegnen? Wie würde meine Familie sein? Und vorallem, wie würde ich mich mit meinem Spanisch durschlagen können, was gar nicht vorhanden war?


In der Ferne Suchen
Ich landete quasi in der Nacht. Ich war vollkommen fertig. Meine Familie war super lieb! Ein Ehepaar, kinderlos, jugendlich und total liebevoll!
Die Schönheit Costa Rica breite sich in vollem Glanz am nächsten Morgen aus. Durch den Jetlag war ich früh wach. Von dem oberen Teil des Hauses blickte ich über eine atemberaubende Landschaft! Bergketten umgaben uns, der Himmel war strahlend blau und es war wunderbar warm...

Barrio Jesús
Santa Barbara

Die ersten Tage war ich alleine, mein Sprachkurs würde erst an einem Montag anfangen und es war erst Samstag. Mein Gastvater nahm mich mit zu seinem Friseur, der ein paar hügellige Straßen weiter weg lag. Eigentlich ein kleines Häuschen, der Raum kitschig mit Kunstblumen und Bildern dekoriert.Gott sei Dank kam mein Dad aus Amerika und so fiel es mir nicht schwer mich in der ersten Tagen verständlich zu machen. Doch spätestens im Friseurladen merkte ich, wie schwer es sein würde, mich außerhalb meiner Familie verständlich zu machen. Die kleine dicke Frisöse redete schnell und ohne Hemmungen auf mich in Spanisch ein. Grinste ab und zu und lachte laut, als ich sie mit verständnislosen großen Augen ansah.

Umgeben von großen, grünen Pflanzen liefen wir zurück. Bananenpalmen, bunte Blumen säumten den sonnigen Weg zurück zu unserem Haus.
Ein wenig später fuhr meine Gastmutter mit mir nach Santa Barbara. Wir lebten im Barrio Jesús, einem Viertel, in dem sich nicht wirklich ein großer Supermarkt befand. Barrio Jesús war relativ klein. Hatte insgesamt vier oder fünf Bushaltestellen auf der Hauptstraße. In Santa Barbara befand sich meine Schule, in der ich unterrichten werden würde, dort befand sich auch die Bank, Internetcafés, weitere kleine Geschäfte, die Post und der Park. Dass dieser irgendwann im Laufe meines Aufenthalts eine Rolle spielen würde, war für mich alles andere als klar.
Er war kreisförmig angelegt, mit einer Art Pavillon in der Mitte.
"Muy peligroso!" Sagte meine Gastmutter immer wieder. Sehr gefährlich! Bei Tag und bei Nacht. Na dann, würde ich mich aber nur weit entfernt davon aufhalten!



Nach und nach lernte ich weitere Freiwillige kennen, die hier in Costa Rica arbeiten würden. Wir gingen gemeinsam zum Sprachkurs und verstanden uns schnell sehr gut.
Am ersten Wochenende hatte ich Geburtstag und wir beschlossen alle an die Pazifikküste zu reisen, um uns dort an das Wasser zu legen und meinen Tag zu feiern. Playa Hermosa hieß unser Ziel. Jacó, das Hauptörtchen befand sich nicht weit davon entfernt und wir fuhren am Freitagnachmittag los.
Abends landeten wir in unserer Unterkunft "Cabinas Rancho Grande". Es war super nice! Eine Art Surferunterkunft nicht weit vom Strand! Alles aus Holz, zweistöckig, mit einer kleinen Außenküche und Sitzgelegenheiten. Es war besser, als ich es mir gedacht hatte! Die Zeit hier würde einzigartig werden!!!
Die Cabinas Rancho Grande / Palya Hermosa (Jacó)

Noch am Abend gingen wir in eine der kleinen Bars am Strand. In Costa Rica konnte man mit dem Finger schnipsen und es wurde dunkel. So schnell die Sonne hier aufging, genauso schnell ging sie auch unter.
Wir beschlossen im Dunkeln am Strand zu unserer Unterkunft zu laufen und begegneten einer riesigen Lederschildkröte, die eben in diesem Augenblick ein Loch grub, um ihre Eier abzulegen. Ein wahnsinniges Naturschauspiel! Ich hatte eine Gänsehaut am ganzen Körper! Ich kannte die riesigen Schildkröten nur aus dem Fernsehen und nun lag eine vor mir im Sand. Die Einheimischen verkaufen die Eier zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt. Man verwendet sie dort wohl als Aphrotisiakum.
Neben unseren Cabinas, befand sich ein Hotel unter deutscher Leitung und die Frau des Managers hatte die Aufregung bemerkt, kam mit einem Eimer, um die Eier einzusammeln und am nächsten Tag zu einer nahegelegenen Schildkrötenfarm zu bringen, da das Risiko zu hoch war, dass die kleinen nicht überleben würden oder die Eier schlicht und einfach weggeklaut werden würden.
Ich sehe das Bild wie heute noch vor mir, die riesige Schildkröte im Licht des Mondes, wie sie mit ihren lederigen Flossen den Sand zur Seite schlägt, dabei keucht. Wie der Wind in den Palmen raschelt und wir alle nur bewegt von dem Moment sind.

"Unsere" Lederschildkröte- so groß schaut sie nicht aus, aber sie war gut 1,5m lang


Als wir vollkommen fertig in unsere quietschenden Betten fielen, fiel uns auf, wie schwarz unsere Füße waren. Am nächsten Morgen stellte sich raus, warum.
Ich war durch den Jetleg schon früh auf den Beinen und traf eine meiner Mädels unten am Tisch. Wir rauchten und beschlossen zum Strand zu laufen und das erste Mal unsere Füße in den Pazifik zu halten.
Wir liefen los und schon von Weitem erkannten wir den schwarzen Strand. Es war ein unglaublicher Anblick! Die Palmen rechts und links, das unruhige und wellenreiche Meer und wir mitten drin.
Es war unglaublich. Kein Mensch weit und breit.
Playa Hermosa / der schwarze Strand

Wir waren den ganzen Tag im Wasser, ließen uns von den Wellen hin und her treiben, lachten, schliefen und alles unter der Sonne Costa Ricas. Das war das erste Mal in dieser Zeit, in der ich mich vollkommen losgelöst und frei fühlte!!!!
PURA VIDA!!!