Warum hat Gott uns nur 1 Herz gegeben? Gott hat jedem 2 Füße zum laufen, 2 Hände zum anfassen, 2 Ohren um zu hören, 2 Augen um zu sehen gegeben! Warum nur 1 Herz? ..Weil die andere Hälfte bei einem anderen ist, und wir sie suchen müssen....
Wie ich mich jedes Mal aufs Neue motivieren muss, 1 Stunde jeden Morgen in die Uni zu fahren, ist unglaublich!
Nicht, dass tagtäglich die bescheuerte Strecke zwischen Urania und Alexander Platz total überfüllt ist, nein, meist bekomme ich dann auch auf den freien Strecken jede rote Ampel ab! So wie heute!!!
Absolut abgestresst saß ich dann in meinem Spanisch-Seminar.
"Wer schreibt heute das Protokoll?"
Eigentlich hob sich meine Hand wie von selbst. Ich war glaube ich die Einzige, die sich bisher vor dieser Aufgabe gedrückt hatte... Nun ja, dies war nun mein Schicksal.
Aber als hätte es nicht anders kommen können, verstand ich sogut wie gar nichts während der ersten Hälfte unseres Seminars! Entweder war mein Kopf noch auf meinem weichen Kissen geblieben oder aber sehnte sich in die Ferne zu schweifen, weit weg aus diesem kleinen stickigen Raum, weit weg von dem dicken Dozenten mit dem roten Kopf. Überall, nur nicht hier.
Seufzend pustete ich mir eine Haarsträhne von der Stirn, die verräterisch kleben geblieben war.
Whatever. Ich werde es mir schon zusammen wurschteln dieses blöde Protokoll!
Während ich die kommende Vorlesung und mein letztes Seminar an mir vorbeistreichen ließ, dachte ich an ihn. An ihn, der so weit weg war.
Daran, dass er gerade wohl schlafen würde und hoffte ganz heimlich, dass er dabei von mir träumte.
Noch einen Monat. Nur noch einen Monat und dann würden wir uns wiedersehen.
Wie würde es wohl werden? Was war es jetzt überhaupt?
Ein Kuss, so viele Gespräche. Und jedes Mal klopfte mein Herz, wenn es bei Skype klingelte und er mich anrief.
Würde es dann auch so sein, wenn er vor mir stehen würde?
Würde er dann auch das Gleiche zu mir sagen, wie jetzt, wenn ich in meiner Küche saß, rauchte und mit ihm lachte?
Spanische Lieder tauchten in meinem Kopf aus. Wie Hintergrundmusik zu meinen Gedanken.
Endlich war die Uni vorbei. Ich lief zu meinem Auto. Ich würde einsteigen und es würde wie in einer Sauna sein.
Ich ließ alle Fenster runter, drehte die Musik laut auf. Reggae.
Und während ich die lange Heimfahrt antrat, dachte ich an ihn. Daran, wie es sein würde ihn zu küssen, mit ihm alleine zu sein. Wie es sich anfühlen würde, wenn er mich berührt, wie es sein würde, bei ihm zu sein. Ganz. Nicht nur in Gedanken.
Und während ich hinter meinem Lenkrad, mit meiner großen roten Sonnenbrille auf der Nase anfing im Reggaetakt zu wippen, auf mein Lenkrad zu klopfen und mich von den spanischen Worten berieseln ließ, dachte ich daran, wie ich jetzt mit ihm in das erfrischende Meer Costa Ricas springen würde.
Stellte mir vor, wie wir unter einem der vielen kleinen Wasserfälle stehen würden, er mir die Haare aus dem Gesicht strich, mein Gesicht in die Hände nahm und mich küsste...
Dann wurde gehupt. Ich kam gerade noch so über grün. Hinter mir schimpfte der Mann in seinem schwarzen BMW, der stehen bleiben musste, weil Gelb gerade zu Rot wechselte.
Tocarte Toa!
Oh Mann, wie es wohl sein würde, ihn wiederzusehen? Ich würde es herausfinden - in knapp einem Monat, doch bis dahin musste ich das bescheuerte Protokoll zustande bekommen...