Freitag, 1. Juli 2011

...und ich stelle mir immer wieder die gleiche Frage

Es wäre ja nicht so, dass mich keiner wollen würde, es wäre ja nicht so, als MÜSSE ich alleine bleiben. Aber es ist so, dass ich mich nicht mehr so verlieben kann wie mit 17.
Ich verliebe mich anders. Meistens ist es so, dass ich erstmal jemanden toll finde, dass ich mich weiter und weiter mit ihm treffe, dass wir lachen und Gemeinsamkeiten, Diskussionsthemen finden, was trinken gehen und irgendwann küssen wir uns dann.
Und plötzlich wird es immer enger. Wir treffen uns öfter, verbringen mehr Zeit miteinander, er stellt mir seine Freunde vor, ich vielleicht auch mal meine.
Doch dann kommt dieses klitzekleine Gefühl hoch. Erstmal flüstert es nur. "Ist er es wirklich?"
Mit der Zeit wird es ein wenig lauter und besucht mich öfters: "Kannst du damit leben, dass er diese und jede Art an sich hat?"
Und irgendwann schnürt mir dieses Gefühl beinahe die Kehle zu: "Du weißt selber, dass er es nicht ist."
In diesem Augenblick ist eigentlich alles verloren, denn das Gefühl hat sich so tief in mein Inneres gebrannt, dass es nicht mehr wegzudenken ist.


Ich habe versucht, mein letztes Date darauf vorzubereiten, als ich merkte, dass es begann zu flüstern. Ich sagte ihm, dass ich momentan wohl eher keine Beziehung eingehen möchte.
Er: "Dann lass es einfach auf uns zukommen und wir sehen, was daraus wird."
Anfangs beruhigte mich das, doch letztenendes lief es auf das Gleiche hinaus wie immer: Ich brach den Kontakt ab und er war verletzt. Nichtmal ne Freundschaft war seinerseits mehr möglich.

Das ist eigentlich in Kurzfassung genau das, was mir andauernd passiert.

Bin ich ein Einsiedlerkrebs?

Diese Frage beschäftigt mich gerade im Zusammenhang mit Bryan total.
Ich weiß, dass ich wahnsinnig starke Gefühle für ihn habe, dass er mir fehlt, wenn wir nicht einmal am Tag miteinander reden. Dass ich ihn vermisse, wenn er mir nicht einmal am Tag sagt, wie sehr er mich vermisst.
Und dann frage ich mich, ob es nicht vielleicht sein könnte, dass es so ist, weil er eben so weit weg von mir lebt. Dass eine gemeinsame Zukunft eher ein kleiner Funke ist und nicht ein Streichholz, das man in irgendwelche Äste schmeißen müsste, um die Sache ins brennen zu bringen.

Kurz die Fakten:
1.) Wir leben, um genau zu sein, ‎9639.713 km voneinander entfernt.
2.) Wir teilen uns keinen Alltag
3.) Unsere Uhrzeiten und Tagesrhythmen sind komplett verschieden
4.) Wer weiß, ob er je die Möglichkeit haben wird, mich einmal hier in Berlin zu besuchen
5.) Ich habe auch nicht die Kohle mindestens 2x im Jahr nach Costa Rica zu fliegen
6.) Er ist jünger als ich und hat vielleicht ganz andere Perspektiven

Schonmal 6 Punkte, die eigentlich, in einer "normalen" Beziehung in den ersten 1-2Monaten geklärt werden können oder aber sich von alleine ergeben.

Dann kommt aber noch das Herz ins Spiel, wenn der Kopf sagt, es sei utopisch, sich in jemanden zu verlieben, der so weit entfernt lebe.
1.) Das Lächeln, das auf meinen Lippen spielt, wenn ich an ihn denken
2.) Das Herzklopfen, wenn mein Skype klingelt und ich weiß, dass wir uns in wenigen Sekunden sehen

3.) Das Tränchen Glück im Augenwinkel, wenn seine Familie mir durch den Computer zuwinkt und mir sagt, wie sehr sie sich auf mich freuen
4.) Die Erinnerung an meinen letzten Abend und an unseren Kuss
5.) Die Neugier, wie es weitergehen könnte.

Ich weiß, ich muss erstmal im August hinfahren und die Zeit genießen, das was danach kommt, das kann ich nicht planen.
Und um ehrlich zu sein, habe ich auch Angst davor.

Es gibt zwei Meinungen, die in meinem Freundeskreis vertreten werden und denen ich beiden auch zustimme.

1.) Hör auf zu träumen, nachher verpasst du noch hier den Richtigen, weil du zu blind bist, ihn zu sehen
2.) Pass auf, dass du dir die Zweifel nicht einredet und dabei verpasst, dass ER der Richtige sein könnte.

Und sie haben alle recht. Natürlich.

Im Moment bringt Bryan mich zum Lachen, lässt mich ein Gefühl von Freude in mir tragen, durch ihn fühle ich mich nicht allein, er ist der, der mir irgendwie Hoffnung gibt.
Doch andererseits ist es auch er, wegen dem ich nicht schlafen kann, weil ich mich frage, wie soll es weiter gehen? Er ist es, wegen dem ich mich frage, ob ich es mir vorstellen könnte, auf der anderen Seite der Welt zu leben. Er ist es, wegen dem ich mich frage, was wir für eine Zukunft hätten, auch wenn er her kommen würde.
Und das alles macht mir Angst und ich fühle mich manchmal so verloren.

In diesem Momenten piepst meist mein Handy und ich habe eine Nachricht von ihm.