Ich glaube, spätestens seit meiner Reise durch Costa Rica, Panama und Kuba ist das eines meiner wichtigsten Ziele!
Es ist unglaublich, was für Dinge man sieht, welchen Menschen man begegnet und wie gestärkt und abhängig man von so einem Trip wieder nach Deutschland zurückkehrt.
Ich wollte schon längst über das Thema geschrieben haben. Aber irgendwie gab es nie den richtigen Moment dazu. Und ich denke, hier ist er.
Vielleicht ist es auch irrelevant zu erzählen, wie wunderbar die Landschaften waren, das Essen ganz anders, die Menschen so fröhlich, die Strände so weiß, die Nächte so gefährlich...
Ich könnte stundenlang Geschichten erzählen.
Aber heute und in diesem Zusammenhang möchte ich mich auf die zwei Monate Costa Rica beziehen.
Ich arbeitete von Anfang Januar bis Anfang März dort. In einer kleinen Schule und lernte nebenbei Spanisch.
Meine Gastfamilie war einfach nur zauberhaft. Ich wurde zu ihrer richtigen Tochter und eines Abends, als ich vom Shoppen mit einer Freundin aus San José wiederkam, entdeckte mein "Vater" eine Zigarettenschatel und verband sie kurzerhand in den Mülleimer, begleitet von einer 30minütigen Predigt... So hart war nicht mal mein Dad. Ich wusste, sobald ich das Haus wieder verlassen würde, kaufte ich mir eh eine neue Schachtel für umgerechnet einen Euro.
| das ständige Ein- und Auspacken gehört zu den standatisierten Vorgängen... Irgendwann hat man den Dreh raus - vielleicht :) |
| alles, was man braucht, trägt man auf dem Rücken. Mehr braucht man nicht. |
Man lebt sich schnell ein. Selbst in den Orten, an denen man nur 3 Tage verweilt. Alles was man braucht, trägt man auf seinem Rücken und man lernt, sich auf das Notwendigste zu reduzieren. Hätte man mir vor einem Jahr noch gesagt, ich würde freiwillig Schuhe und Klamotten in einem kleinen Hostel in der Karibik zurücklassen, nur um mein Tragegewicht zu reduzieren, hätte ich demjenigen wohl einen Vogel gezeigt. Ich lasse doch keine Schuhe zurück!!! Niemals...
Nunja, das Reisen verändert.
Ich muss dazu sagen, dass dies meine erste richtige "Backpacker"-Reise war. Klar, ich war schon in vielen Ländern Europas und Afrikas, aber immer schön beschützt im Hotel, immer mit meiner Schwester, Familie oder Freunden. Nie, war ich alleine unterwegs.
Und so klassisch, wie man sich das "alleine" sein vorstellt, ist es nicht. Man schließt unverzüglich Kontakte. In meinem Fall durch das Institut meines Örtchens, an dem ich Spanisch lernte.
| es schweist zusammen, wenn man in einem vollbesetzten Bus keinen Sitzplatz hat und sich die kleinen übrig gebliebenen Freiräume mit Australiern, Amerikanern, Südamerikanern etc. teilen muss |
| und das, was man gemeinsam erlebt, bleibt ein Leben lang |
| auch wenn du alleine reist, bist du nie einsam |
Man beginnt gemeinsam zu reisen, neue Orte zu entdecken, mit 8 Fremden in einem Zimmer zu schlafen und sich eine Mini-Toilette zu teilen.
Nach und nach fängt man an, sich über die holprigen Busse zu beschweren - den Tag auf sich zukommen zu lassen, ohne das Geringste vorzuplanen.
Nachts schläft man ein, während die Brüllaffen im Hintergrund ihre Schreie von sich geben, morgens wacht man irgendwann auf und lässt sich entweder von Reggea-Musik oder dem Trällern der Papagein berieseln. Mit jedem Tag wird das Leben leichter. Mit jeden Tag merkt man, dass jede Emotion, die man in sich trägt bis zum Anschlag gespürt wird.
Gemeinsam entdeckt man eine neue Welt, Orte, von denen man nur ahnte, dass sie existieren. Und jedes Mal ist es so atemberaubend, dass einem die Luft wegbleibt, dass man nur dasitzen kann und staunt. Man freut sich seines Lebens, darüber, diese Möglichkeit zu haben. Das alles zu sehen.
Wie oft habe ich mir gewünscht, dass meine Schwester, meine Mutter oder mein Vater da sein könnten, alleine, um das zu sehen, was ich sah.
| unter den Palmen von Tamarindo - man beginnt Touristenorte zu meiden |
| mein erstes kleines Paradies in Santa Teresa |
| Urwälder nah am Pazifik. Bilder, die ich mein Leben lang in meinem Kopf tragen werde. |
| wie Früchte schmecken, weiß ich erst seit meiner Zeit in Lateinamerika |
| mein Schrank - mein Locker |
| Schlafen in Hängematten. In Puerto Viejo ist das eben so. |
| zusehen, wie die Sonne in Manuel Antonio untergeht |
So tingelten wir an unseren freien Tagen durch das Land, ich hatte die beste Zeit meines Lebens. Und die Hälfte meines Aufenthaltes lag noch vor mir.
Doch irgendwann habe ich aufgehört, daran zu denken, wie lange ich noch irgendwo sein werde. Jeder Tag bringt etwas Neues und Unerwartetes.
Durch die Arbeit und das Leben in dem kleinen Ort, begann man irgendwann einen Freundeskreis aufzubauen. Man reiste gemeinsam, man traf sich abends in gewohnter Runde auf ein Bier oder lernte neue Leute kennen.
Irgendwann bestand mein dortiger Freundeskreis aus vielen Deutschen und Ticos. Das Leben hautnah mitzuerleben, war der Wahnsinn. Ich liebte meine Familie, aber die Leute in meinem Alter zu sehen und deren Leben zu begleiten und zu erleben, war mit die schönste Erfahrung, die ich machen konnte.
| das Abschiednehmen von einem Ort, der einen berührte... |
| Menschen verabschieden, die man lieben gelernt hat |
| ...und auf ein Wiedersehen hoffen. |
Doch das ist ebenso das Fatale wie Schöne, wenn man zwei Monate an einem Ort verweilt. Der Abschied wird dadurch umso schwieriger.
Menschen, die man ins Herz geschlossen hatte, Orte, die einem nicht mehr fremd waren, musste man hinter sich lassen.
Rückblickend ist das ein vollkommen anderes Gefühl, als das "Zurücklassen", das man hat, wenn man "nur" reist. Man bleibt kurz an einem Ort und verschwindet dann wieder, zieht weiter. Mit neuen Leuten, die man irgendwo auf seinem Weg getroffen hatte.
Doch geht man nach zwei Moanten, dann ist das ein anderes "Gehen".
Und man weiß nicht, ob man diese Menschen, diese Orte noch einmal sehen wird.