Ich glaube, irgendwie ist das Leben ein ständiges Suchen und Finden. Beziehungsweise, ein ständiges Suchen und wenn man etwas gefunden hat, dann ist man entweder glücklich oder strebt nach mehr.
Und ich denke auch, dass sich dieses Suchen und Finden auf alle möglichen Bereiche des Lebens bezieht.
Nicht nur in der Liebe, sondern auch in dem Beruflichen - eigentlich in allem das, wie man sich selbst definiert.
Ich muss zugestehen, ich weiß nicht, wer ich sein will, ob die Person, die ich gerade bin, diejenige welche ist, die ich mein Leben lang sein möchte.
Da saß ich vor einigen Wochen, auf der Hochzeit meiner besten Freundin mit einem Glas Sekt in der Hand. Ich schaute mich um. Überall um mich herum Pärchen. Und meine beste Freundin kenne ich schon ewig, also waren dort auch meine alten Schwärme. Meine alten, verflossenen Lieben. Entweder waren sie verheiratet, bekamen demnächst ein Kind oder waren glücklich vergeben. Und ich? Ich saß hier immernoch in meinem langen Seidenkleid als Single.
"Du bist Erzieherin? In einer Wohngruppe? So quasi, wie im Heim? Wow, das finde ich toll!"
Danke. Danke. Danke.
Besser:
"Ich habe dich neulich im Westend-Theater gesehen! Du warst spitze!"
So hatte ich mir das eigentlich vorgestellt und ich wollte auf der Hochzeit meiner besten Freundin mit meinem Mann, Verlobten oder zumindest mit meinem Freund da sitzen.
Nun ging über den Dächern Berlins die Sonne auf und ich wurde versucht, mit allen willigen Singlemännern auf der Hochzeit verkuppelt zu werden.
Anstrengend ist sowas!
Nicht, dass alle ledigen Männer an diesem Tag oder Abend hässlich, uncharmant oder verkorkst waren, nein, aber allein die Voraussetzung, welche alles umrahmte, war gänzlich schlecht - für sie.
Denn hier konnte keiner landen.
Nur einer. Und der wollte nicht.
Zwischen ihm und mir war es ein permantenes Hin und Her, seit circa 6 Jahren. Jedes Mal, wenn wir uns sahen, dann endete der Abend immer (!) bei einem Kuss. Und man denkt, dass man da irgendwann rauswächst. Irgendwann muss man doch so gefestigt sein, dass es einen nicht mehr aus der Bahn wirft.
Pustekuchen!
An dem Abend war es auch wieder so. Und danach war auch alles wieder so, als wäre nie etwas passiert. Wie immer.
Er fuhr wieder zurück nach Rheinlandpfalz, ich blieb in Berlin.
Wäre er das Finden, nach dem langen Suchen? Ist es immernoch der falsche Ort und die falsche Zeit?
Okay, wahrscheinlich ist er es nicht. Aber ich will diejenige sein, die vor ihm glücklich wird. Ich will nicht immer jedem bei seinem Glück zuschauen müssen und mich mitfreuen, ich möchte, dass die Leute sich für mich mitfreuen.
Eigentlich will ich auf den Bühnen der Welt stehen. Ich will reisen, Leute treffen, Länder kennenlernen.
Oder ist dieser Weg nicht ein lebenlanges Suchen?
Reisen? Immer neue Leute treffen?
Was ist mit ankommen?
Was ist mit sesshaft werden?
Irgendwie hat man doch so einen Plan... Und mein Plan war es eigentlich mit Mitte 20 zu heiraten und Kinder zu bekommen.
Super verkorkst.
Das stell sich mal einer vor!
Nun sitz ich hier in meiner kleinen Küche, in meinem kleinen Singleappartement nahe des Kudamms, trinke schwarzen Kaffee, frage mich tagtäglich, wie ich nun ein paar Kilo loswerde, rauche eine Zigarette nach der anderen, studiere Soziale Arbeit und sehne mich den zwei Wochen in der Ferne entgegen, die mich vielleicht auch nicht wirklich auf meinem Weg weiterbringen.
Das ist deprimierend.
Ist das mein Suchen? Oh Mann, kann mir bitte irgendwer einen kleinen Plan zuspielen? Irgendwas, damit ich weiß, ob der Weg wirklich richtig ist, den ich hier gehe?