Die Zeit scheint zu rennen. Ich habe das Gefühl, dass ich alles, was noch zu erledigen ist, nicht schaffen werde.
Ich sitze mal wieder hier in meiner Küche, rauchend... Bin der Überzeugung, dass das Internet gerade Priorität vor dem Sortieren meiner Papiere hat... Ich sage mir auch immer wieder, du hast ja noch 6 Stunden, bevor die Mädels kommen...
Heute gehe ich zum ersten Mal nach sehr langer Zeit wieder feiern... Und es ist wirklich lange her, dass ich in Berlin in einem Club war.
Wenn ich überschalge, dann sind es knapp 7 Monate. Okay, davon war ich auch 3,5 auf Reisen, aber ich habe es auch danach nicht geschafft, irgendwie feiern zu gehen. Das wollte ich auch nicht.
Doch heute ist ein guter Tag, um es zu tun.
Schließlich werde ich in ca. 10 Tagen wieder im Flieger sitzen auf dem Weg zu dir...
Allerdings ist es auch wirklich Zeit. Ich merke, wie sehr ich dich vermisse, wie sehr ich mich danach sehne, die Zeit mit dir zu verbringen, in deinen Armen zu liegen, deinen Herzschlag zu spüren, in deine Augen zu sehen.
Noch nie habe ich mich danach so gesehnt, wie in dieser Woche.
Deine Arbeitszeiten haben sich verschoben, von daher können wir nicht mehr jeden Tag skypen. Du kannst mir nicht mehr "gute Nacht" oder "guten Morgen" sagen.
Doch es hat auch was für sich. Wir haben dadurch mehr Zeit füreinander, wenn ich da bin.
Genau deswegen, ist es mir wichtig, dass wir uns sehen, wenn wir beide Zeit haben.
Schon seit letzten Sonntag bekam ich Nachrichten wie: "Mittwoch möchte ich dich sehen!" , "Ich kann es kaum erwarten, den Tag mit dir zu verbringen, auch wenn es nur am Computer ist" , "Ich vermisse dich und zähle die Tage, bis du kommst. Doch erstmal warte ich auf Mittwoch."
Ich verschob alle Termine, alle Verabredungen, so dass ich mittwochs Zeit hatte. Ich verlegte alles auf die Tage drumherum, nur um dich zu sehen.
Weil ich wusste, dir ist es genau so wichtig wie mir.
'
Endlich war es soweit. Abends am Mittwoch setzte ich mich vor meinen Laptop, platzierte meinen Wein und meine Zigaretten neben mich, aß etwas und wusste, dass ich wieder bis tief in die Nacht hinein mit dir reden würde.
Und ich saß da. Wartete. Wartete. Keine Neuigkeiten. Nichts.
Ich trank den Wein alleine, hörte Musik. Vielleicht warst du ja noch beschäftigt. Ich rechnete die Zeit um. Bei dir war e jetzt Mittag, bei mir kam die dunkle Nacht.
Und plötzlich begann ich mir Sorgen zu machen. War etwas mit dir oder deiner Familie passiert? Was war los?
Irgendwann, geplagt durch die Traurigkeit und Müdigkeit, fiel ich ins Bett. Ich schrieb dir, dass ich hoffe, dass alles in Ordnung sei, dass ich morgen Abend verabredet wäre, aber wir vielleicht davor eine Möglichkeit finden könnten, miteinander zu sprechen. Schließlich war ich erst gegen 20h verabredet.
Ich bekam eine Nachricht. Nachts um ca. 3h Ortszeit bei mir.
"Ich war den ganzen Tag über unterwegs. Es tut mir leid. Ich habe versucht, eine Möglichkeit zu finden, mich zu melden... Du fehlst mir sehr. Ich bin morgen den Tag über online. Ich hoffe, du hast Zeit. Viele Küsse"
Irgendwie erleichterte mich das und ich beschloss mich rechtzeitig für mein Treffen fertig zu machen und dann zu warten.
Und ich saß wieder da. Wartete, dass du online kommst. Doch du warst nicht da. Und dieses Mal machte ich mir keine Sorgen, sondern war enttäuscht, ich malte mir die verschiedensten Szenarien aus. Und es quälte mich so sehr.
Schließlich saß ich neben dem Sportstudenten am Donnerstagabend auf dem Sofa. Er war so freundlich so nett, er gab mir plötzlich das, was ich hoffte, an diesen Tagen von dir zu bekommen: Das Gefühl, ich sei das Schönste und Wichtigste auf der Welt. Gerade in diesem Augenblick.
Wir aßen Pizza und tranken Rum.
Wir lachten viel und trotzdem dachte ich an dich. Ich fragte mich, warum ich so sein musste? Warum konnte ich nicht warten und schauen, was mit dir passiert? Warum konnte ich die Dinge nicht so einfach sehen, wie du.
Plötzlich klingelte mein Handy auf. Eine Nachricht bei FB von dir.
Ob ich Zeit hätte.
Ich schrieb dir, dass ich erst in ca. 4 Stunden zu Hause wäre, aber dann könnten wir sprechen.
Gut, er sei auch erst so in dem Dreh wieder zu Hause.
Ich glaube, der Sportstudent hätte mir an diesem Abend die Welt zu füßen legen können... Nach dieser Nachricht sehnte ich mich nach nichts mehr, als dich zu sehen und mit dir zu sprechen.
Der Sportstudent brachte mich zum Bus und meinte, er würde sich so freuen, mich nochmal zu sehen, bevor ich wieder 2 Monate das Land verlassen würde.
Ich verneinte dies, ich hätte zu viel zu tun, noch zu viel zu erledigen. Nach den zwei Monaten konnten wir uns gerne nochmal sehen.
Freudig fuhr ich durch die berliner Nacht nach Hause. Ich würde dich sehen. Das war das Einzige, was mir durch den Kopf spukte. Und dann war ich da. Etwas später als geplant, nur ich war da und wartete.
Wieder.
Plötzlich wich die Enttäuschung und die Traurigkeit kam. Mein Herz zog sich zusammen, als ich merkte, dass du nicht online warst, bzw. nicht reagiertest.
Ich zwang mich nicht zu weinen. Nicht dem Gefühl den freien Lauf zu geben. Ich wusste, dass ich stärker war. Viel stärker, als das, was sich wie ein überflaufender Topf gerade in mir breit machte.
Ich schrieb dir eine Mail. Ich musste in ein paar Stunden aufstehen und meine Mutter zur Arbeit bringen. Ich wusste nicht, wie lange ich hier sitzen könne und ich fand es sehr verletzend mich warten zu lassen.
Und plötzlich klingelte mein Skype. Mein Herz schlug schneller. Was sollte ich dir sagen? Wie sollte ich mich verhalten? Ich wollte keinen Streit beginnnen, das wollte ich auf keinen Fall, doch ich wusste, dass ich dich wissen lassen musste, dass ich verletzt war.
Dann sah ich dich.
Ich konnte kaum dein Bild ansehen, weil ich merkte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen.
Wie es mir ginge, was ich machte...
Ich antwortete knapp und nicht ausschweifend.
Dann fingst du an, dich zu entschuldigen. Für gestern, dafür, dass du dich nicht gemeldet hattest.
Und dann sagte ich dir das, was mir auf der Seele lastete:
"Ich verstehe es vollkommen, wenn du an deinen freien Tagen unterwegs bist. Das sollst du auch, man braucht die Ablenkung, um von dem Stress runter zu kommen. Ich bin die Letzte, der du das erklären musst, aber dann schreib mir, dass du einfach keine Zeit hast. Das ist kein Problem. Aber sag mir nicht, schon eine Woche im Vorraus, du hättest Zeit, du freust dich, mit mir am Mittwoch zu sprechen. Ich habe mich darauf eingestellt, alle Termine und Verabredungen um diesen Tag herum gelegt.
Als du mir dann geschrieben hattest, du warst unterwegs, war das auch okay. Du wolltest mit mir heute sprechen und ich saß wieder da. Wartend. Ich hasse es zu warten. Es tut weh. Ich bin nicht böse auf dich. Ich bin nur enttäuscht, dass es so gelaufen ist."
Dann warst du still.
Du wusstest, dass du darauf nichts sagen konntest, was es ändern würde.
Als du dann begonnen hattest zu reden, zitterte deine Stimme. Du wolltest nicht, dass ich nun ein anderes Bild von dir haben würde. Du wolltest nicht, dass ich traurig bin. Es tue dir so leid und du weißt selber, dass du darauf nichts sagen könntest, damit du die Dinge beschwichtigst oder es mir besser geht.
Und du musstest nicht mehr sagen, weil ich merkte, wie ernst es dir war. Wie sehr es dich traurig machte, dass ich traurig war.
Still liefen mir ein paar Tränen über die Wange. Warm. Und ich wusste, wäre ich jetzt bei dir, du würdest die mir sanft von der Wange wischen.
"Für die Zunkunft. Ich will nicht, dass du denkst, ich bin dir böse, wenn du was vor hast, aber dann sag mir bescheid. Weil diese Momente, die wir hier per Skype haben, sind das einzige, was wir haben. Wir können uns nicht verabreden, wir können uns nicht gegenseitig anrufen und Termine absagen oder Dinge von einem zum anderen Moment klären. So ist unsere Situation.
Es ist nur das, was wir haben..."
Und du mustertest mein Gesicht und sagtest nichts.
Dann in der Stille sagtest du:
"Ich will dir nicht wehtun. Ich will, dass es passiert. Dass das mit uns passiert. Dass wir einmal dasitzen werden und uns sagen können: Weißt du noch damals?
Ich will der sein, der dich zum Lächeln bringt. Ich will der sein, an den du denkst und es dir gut geht. Der will ich sein. Ich weiß, dass wir mit unserer Geschichte erst am Anfang stehen. Ich weiß, dass es nicht einfach sein wird. Aber ich will, dass es passiert.... I want to make it happen."
und die Worte umschlangen mein Herz mit wohliger Wärme, ich blickte auf und sah, dass du Tränen in den Augen hattest.
Und da wusste ich, dass ich mein Kopfkino einfach ausschalten musste, wenn etwas Unvorhergesehenes eintraf. Ich musste einfach auf mein Herz hören, denn dein Herz hörte meinem aus der Ferne ebenfalls zu.